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Grabenstrasse 34 │ CH-7000 Chur │ Tel. 081 250 34 31 │ Mob. 079 310 75 37 |
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Reportage: "Terra Grischuna" (August 2010)
Die Hundenase - das zuverlässigste Ortungsmittel |
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Hunde sind unbestechliche Ortungsspezialisten. Ihr Geruchssinn ist bis zu tausendmal stärker ausgeprägt als der eines Menschen. Zehn Prozent ihres Gehirns sind ausschliesslich dazu da, Geruchsinformationen zu verarbeiten, abzuspeichern und wieder zu er kennen. Kein Wunder, werden diese Eigenschaf ten von Menschen genutzt, um Menschen in Not auf zu finden.
© Text und Bilder Walter Schmid/ws-press
„Ein schweres Erdbeben mit Magnitude 8.9 auf der Richterskala hat am 11. März 2011 um 06.46 Uhr Schweizer Zeit Japan stark erschüttert und einen gewaltigen Tsunami ausgelöst.“ Diese Nachricht hat die Rettungskette Schweiz in Alarmbereitschaft versetzt. Auf Bitten der japanischen Regierung hat die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) der Schweizerischen Eidgenossenschaft beschlossen, Such- und Abklärungsteams der Rettungskette in das japanische Katastrophengebiet zu entsenden. Am 12. März flogen 25 Spezialisten und neun Katastrophenhundeteams des Schweizer Vereins REDOG (Rescue dog), unter ihnen Conny Zumbühl von der Regionalgruppe im Kanton Graubünden, mit ihrem Goldenretrieverrüden Silas, nach Japan. Silas hat ab dem Welpenalter von knapp zwei Monaten zu lernen angefangen was er jetzt kann: mit seinem Geruchsinn unter Trümmern eingeschlossene Menschen aufspüren und den Ort durch Scharren und Bellen dem Hundeführer und den Rettungskräften anzeigen.
Spiel mit dem Futter Die Ausbildung zum einsatzbereiten Katastrophenhund wie Silas einer ist, beginnt mit einer Kiste mit Sand davor und seinem Futter darin. Der Welpe wird auf die Kiste geschickt, wittert das Futter darin und beginnt den Sand wegzuscharren. Wenn er schön scharrt wird nach einer kurzen Dauer mit einem Seilzug das Kistchen geöffnet und der Welpe gelangt zum Futter. „Der Hund lernt auf diese Weise, dass wenn er scharrt, geht die Kiste auf und er komme zum Futter“, erklärt der in Andreas Enzler, Katastrophenhunde-Einsatzleiter der Regionalgruppe Graubünden und Präsident der Technischen Kommission REDOG Schweiz. Im nächsten Schritt wird der Sand weggelassen. Weil der Hund nun vor der Kiste nicht mehr richtig scharren kann, das Futter aber trotzdem will, gibt er irgendwann einen Laut von sich. „Beim ersten Bellen“ so Hundeausbildner Enzler, „muss sofort die Kiste geöffnet werden“. Von da an beginnt der junge Welpe zu verstehen, dass Bellen zum Futter führt. Später versteckt sich eine Person (Figurant) mit ein paar Fleischstückchen in einer mit einem Deckel verschlossenen Röhre. Scharrt und bellt der Hund draussen, kann der Figurant mittels eines kleinen Schiebers, der von innen geöffnet wird, den Hund mit Futter bestätigen. Das Spiel wird solange wiederholt, bis der Hund endgültig kapiert hat: Scharren und Bellen gibt Futter. Dann wird das Futter durch einen Gegenstand ersetzt, der, vorausgesetzt er scharrt und bellt dann immer noch, dem Hund vom Figuranten gereicht wird. Ganz zuletzt wird die Person ohne Futter und ohne einen Gegenstand in der Anzeigeröhre versteckt. Zeigt der Hund auch dann ohne Probleme an, ist der Schritt, dass er auf menschliche Witterung anzeigt, vollbracht.
Drei Jahre einsatzbereit Sobald der Junghund das Anzeigeloch beherrscht geht die Ausbildungsarbeit auf den knapp ein Dutzend Trainingsgeländen weiter. Eines davon im „Meiersboden“ bei Chur mit den künstlichen Trümmerfeldern. Hier gilt es Figuranten aufzuspüren, die sich zuerst in offenen, dann in geschlossenen Löchern verstecken. Findet der Hund auch tief unten positionierte Personen und zeigt diese durch Scharren und Bellen an, wird auf schwierigeres Gelände gewechselt. Die grösste Herausforderung stellen Recyclinganlagen und Abbruchobjekte dar. „Hier treffen die Hunde auf sehr realitätsnahe Bedingungen“, sagt Andreas Enzler. „Es hat alle möglichen Gerüche darin, die dem Hund in die Nase stechen“. Wenn er hier zielsicher die Figuranten findet, hat er einen ersten Schritt zum einsatzfähigen Katastrophenhund getan. Die nächsten Schritte bestehen aus verschiedenen Prüfungen und Eignungstests und enden nach 4-5 Jahren Ausbildung mit dem zweitägigen Einsatztest als Höhepunkt. Am ersten Tag muss der Hund fünf Schadenplätze während je 20 Minuten ohne Pause absuchen, wobei auf schwierigstem Gelände pro Schadenplatz bis zu vier Figuranten „vergraben“ sind. Darauf folgt noch eine 20-minütige Nachtsuche. Am zweiten Tag gilt es nochmals fünf Schadenplätze zu je 20 Minuten abzusuchen. Zusätzlich wird der Hundeführer darauf getestet, dass er auf dem Trümmerfeld Erste Hilfe am Hund und Kameradenhilfe beherrscht sowie Internationale Schadenplatzbezeichnungen anbringen sowie lesen kann. Ist dieser Einsatztest bestanden, bleibt das Katastrophenhundeteam während drei Jahren weltweit einsatzfähig, vorausgesetzt, es besteht den in dieser Zeit alljährlich zu absolvierenden obligatorischen Bestätigungstest. „Nach den drei Jahren“, so Enzler, „muss der zweitägige Einsatztest werden.“
Fünf einsatzbereite Teams In Japan bestand für Silas und Conny Zmbühl die Aufgabe darin, im vom Tsunami betroffenen Gebiet nach verschütteten Personen zu suchen, „eine für Mensch und Hund physisch und psychisch äusserst anspruchsvolle und aufreibende Arbeit“, sagt Andreas Enzler auch aus eigener Erfahrung: 1999 hat unter seiner Führung seine Hündin Cindy nach den verheerenden Erdbeben in Taiwan unter den Trümmern eine Person aufgespürt, den Ort den Rettungsteams angezeigt und dem Verschütteten dadurch das Leben gerettet. Das ist das eigentliche Ziel vom Verein REDOG, der in der Schweiuz in den zwölf Regionalgruppen rund 40 einsatzfähige Katastrophenhunde für Ernsteinsätze bereit hält. Fünf davon sind in der Regionalgruppe des Kantons Graubünden. „Mit einer Katastrophenhundegruppe von 17 sich in Ausbildung befindenden Aktiven sind wir schweizweit verglichen eine mittelgrosse Regionalgruppe.“ Neben der Katastrophenhundegruppe werden in Graubünden in einer zweiten Gruppe Geländesuchhunde ausgebildet. Sie werden eingesetzt, um vermisste Personen in schwer begehbarem oder unübersichtlichem Gelände aufzuspüren. „Auch Geländesuchhunde“, so Enzler, „werden während rund drei Jahren in verschiedenen Disziplinen gründlich ausgebildet und müssen sogenannte Eignungstests und einen abschliessenden Einsatztest bestehen“. Entsprechend gross ist sowohl für die Katastrophen- wie auch für die Geländesuchhunde der Trainigsaufwand, den die Hundehalter auf freiwilliger Basis während der jahrelangen Ausbildung auf eigene Kosten leisten. Als Katastrophenhunde eignen sich alle mittelgrossen Arbeitshunderassen wie alle Retrieverrassen, Border Collie, Malinois, Deutscher Drahthaar oder Weimaraner.. „Trotz ihrer hochspezialisierten Professionalität“, so Andreas Enzler, „verbringen die Hunde ihren Alltag als fidele und unternehmungslustige Familienmitglieder“.
Dickes Fell von Vorteil Das gilt auch für die Lawinensuchhunde, die idealerweise mit einem guten Haarkleid versehenen sind. Denn ihre Einsätze sind meistens bei bitterer Kälte notwendig. Rassen, die sich besonders gut für einen Lawinensuchhund eignen, sind z. B. Hovawart, Golden Retriever, Labrador, Hütehunde aber auch Mischlinge leisten sehr gute Arbeit. Die Nase vorn hat in diesem Job aber immer noch der Deutsche Schäferhund. Mit Hilfe der Vierbeiner können Verschüttete unter einer bis zu zehn Meter hohen Schneeschicht lokalisiert werden. Dafür ist, wie bei den K-Hunden, ein guter Riecher besonders wichtig. Die Nase des Hundes ist empfindlich genug, um einzelne Duftstoffe wahrzunehmen und zu erkennen, verfügt er doch über mehr als 220 Millionen Riechzellen in seiner Nase, mit denen er die Witterung viel besser als wir Menschen (mit unseren knapp 5 Millionen Riechzellen) aufnehmen können. Zu den besonderen Eigenschaften eines Lawinenhundes zählt, neben dem ausgezeichneten Geruchssinn, ein ausgeprägtes Grabverhalten und eine gewisse Coolness. Denn er muss sich innert kürzester Zeit vom relaxten Familien- über den helikopterfluglärm-resistenten zum rasch und unter den Anweisungen seines Führers zuverlässig arbeitenden Lawinenrettungshund wandeln.
Möglichst gut verteilt Organisiert sind die Lawinenrettungshunde in „Alpine Rettung Schweiz“ (ARS), mit sieben Regionalvereinen. Einer davon ist der Gebirgskanton Graubünden mit rund 700 Rettern und gegenwärtig 43 einsatzfähigen Lawinenhundeteams. „Wir achten darauf, dass diese möglichst gut im ganzen Kanton verteilt sind, um möglichst rasch beim Unglücksort eintreffen zu können“, so Jürg Battaglia, Hunderverantwortlicher im Regionalverein Graubünden. Mit drei Einsätzen sei der letzte Winter eher ruhig verlaufen, während der vorangegangene mit dreizehn über dem Durchschnitt von 10 Einsätzen gelegen sei.
Berina-Pass und Urnerboden An einem Beitrittstest wird abgeklärt, ob der potentielle Lawinenhund alle Voraussetzungen mitbringt. „Ist das der Fall, wird er während einer Woche den Ausbildungskurs AK 1 auf dem Berninapass auf 2300 m. ü. M absolvieren“, erklärt Battaglia. Danach folgen vier Übungen zur Bestätigung des Gelernten, ehe der Hund am zweiten Ausbildungskurs auf dem Bernina den letzten Schliff für seine verantwortungsvolle Aufgabe erhält. Nach Bestehen des abschliessenden Tests ist er einsatzfähig. Battaglia: „Bis durchschnittlich zum zehnten Lebensjahr sind die Hunde dann im Dienst, vorausgesetzt, sie bestehen die jährlichen Bestätigungskurse.“ Neben den Lawinenhunden verfügt die Alpine Rettung Schweiz ebenfalls über Geländesuchhunde. Ausgebildet werden sie nach dem Eintrittstest an zwei je viertägigen Kursen auf dem „Urnerboden“, einem knapp acht Kilometer langen Hochtal im Kanton Uri. Die Einsätze der Hunde konzentrieren sich immer mehr auf den Sommer, um vermisste Personen zu suchen. Im letzten Jahr war das „nur“ vier Mal nötig. Battaglia erinnert sich jedoch an einen Einsatz im Herbst 2009. „Mit dreizehn Hundeteams suchten wir leider ergebnislos drei Tage lang ein rund 50 Quadratkilometer grosses Berggebiet ab, um eine vermisste Pilzsucherin aufzufinden.“
Alarmnummer 1414 Ob bei Lawinenunglücken oder zur Vermisstensuche: Aufgeboten werden Retterinnen und Retter und somit auch die Hundeteams via Pager über die Alarmnummer 1414. Diese Nummer ist bei Notfällen im Schweizer Gebirge generell auch von Hilfesuchenden anzuwählen ist. Die rund um die Uhr besetzte Alarmzentrale der Rega (Schweizerische Rettungsflugwacht) dient der Koordination aller Einsatzmittel und gewährleistet damit die rasche und zweckmässige Hilfeleistung.
INFO
Redog Die gemeinnützige, humanitäre Freiwilligenorganisation stellt dem Bund und den Kantonen rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr geprüfte Spezialistenteams für die Trümmer- und Geländesuche im In- und Ausland zur Verfügung. Als Mitglied der Rettungskette Schweiz ist Redog eine von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) anerkannte Organisation und verfügt über Erfahrung bei humanitären Katastropheneinsätzen. Redog ist Mitglied des Schweizerischen Roten Kreuzes, Partnerorganisation der REGA und der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) sowie eine Sektion der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG).
Alpine Rettung Schweiz Die Alpine Rettung Schweiz (ARS) leistet terrestrische Einsätze für in Not geratene und hilfsbedürftige Menschen im alpinen, voralpinen und schwer zugänglichen Gebiet der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. Sie ist eine selbständige, gemeinnützige Stiftung, getragen durch die Rega (Schweizerische Rettungsflugwacht) und den Schweizerischen Alpen-Club SAC. Der Regionalverein Alpine Rettung Graubünden (ARG) umfasst das ganze Kantonsgebiet und verfügt über insgesamt 30 Rettungsstationen.
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| Reportage-Auftaktseite. | ||||
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