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Reportage: "Graubünden Magazin" (Sommer 2010)

 

"La Traviata" von Bündnern geprägt

 
         
   

Die Schlossoper Haldenstein 2011 feiert am 5. August Premiere mit Verdis „La Traviata“ – erstmals unter starker Bündner Prägung. Die Regisseurin und ihr Assistent, der Bühnenbauer und die Hälfte der Orchesterbesetzung sind Bündnerinnen und Bündner.

 

© Text und Bilder Walter Schmid/ws-press

 

„Bereits bei den Vorbereitungen für die diesjährige Schlossoper hat sich der Vorstand zum Ziel gesetzt, die Produktion unter der Regie einer Bündner Persönlichkeit zu realisieren“, so Dorothe Reinhart-Steinbeck, Präsidentin der Kammerphilharmonie Graubünden. Aus einer Reihe von Namen und nach diversen Recherchen sei dann entschieden worden, für die Regiearbeit von „La Traviata“ Barbara Brüesch nach Haldenstein zu verpflichten. Sie sei schon einwenig stolz über dieses Engagement, sagt die Auserwählte. Und einen weiten Weg muss sie auch nicht gehen. Schliesslich ist sie in Chur aufgewachsen und hat einst hier für ihren Beruf Feuer gefangen, „in der Dramatischen Kantonsschülergruppe, bei der Klibühni, bei den Freilichtspielen Chur, bei der Künstlergruppe In Situ“, erinnert sich Barbara Brüesch. Regie studierte sie danach an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Seither hat sie an diversen Bühnen im deutschsprachigen Raum inszeniert, u.a. im Theaterhaus Gessnerallee Zürich, in den Sophiensaele Berlin, im Roten Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, am Neumarkt Theater Zürich, Stadttheater Chur, am Stadttheater Bern, am Schauspielhaus Wien und an den Staatstheatern Mainz und Stuttgart. 2008 wurde Barbara Brüesch mit dem Karajan-Preis, dem Förderpreis der Stadt Chur sowie dem Studentenpreis der Stadt Berlin ausgezeichnet.

 

Spezielle Herausforderungen

Nach modernen Dramen, Shakespeare, Klassikern und Romanadaptionen ist die Gattung „Oper“ für sie eine neue Herausforderung. Sie sei fasziniert von dieser Kunstform obwohl die Arbeit völlig anders sei als beim Schauspiel. „Bei der Oper werden Abläufe durch klar vorgegeben Zeitraster der Musik bestimmt“, so die 36jährige Regisseurin. „Dazu kommt, dass die Opern-Akteure allein vom Stil her ganz anders an ihre Aufgaben heran gehen als die Schauspieler, weil sie vor allem auch noch singen.“ Als einmalig an der Schlossoper bezeichnet Barbara Brüesch die tolle Atmosphäre und Arbeit mit den jungen Künstlerinnen und Künstlern. Das mache es zwar nicht einfacher, denn sie seien relativ unerfahren und bräuchten noch Hilfe in schauspielerischer Hinsicht. „Aber alle wollen diese Chance an der Schlossoper packen und arbeiten entsprechend ehrgeizig auf die Aufführungen hin“.

Eine zusätzliche Herausforderung für alle Beteiligten besteht darin, dass neben den Proben mit allen Doppelbesetzungen im Grunde genommen zwei verschiedene Inszenierungen für La Traviata nötig sind. Brüesch: „Die eine für die Bühne im Schlosshof, die andere für die Schlechtwettervariante im Theater Chur, wo die Gänge der Akteure völlig anders sind.“

Seit dem 27. Juni laufen die Probenarbeiten im Schlosshof Haldenstein und im Theater Chur. Unterstützung in ihrer Arbeit erhält Barbara Brüesch vom 31jährigen Regieassistenten Curdin Casutt. Für den waschechten Bündner ist die Schlossoper sein erster Wirkungsort in Graubünden. Aufgewachsen in Thusis hat er eben das Studium der Musikwissenschaften an der Uni Zürich abgeschlossen – mit Spezialgebiet Oper.

 

„Endlose“ Bühne

Das ganze Team rund um die Schlossoper Haldenstein hofft natürlich, dass sämtliche Aufführungen zwischen dem 5. und 24. August unter klarem Sternenhimmel in Haldenstein zur Aufführung gelangen – nicht einzig aus Witterungsgründen. Denn zum aussergewöhnlichen Ambiente des Renaissance-Schlosses mit der ungewöhnlichen Raumsituation des Innenhofes gesellt sich eine ausgefallene. „Hier ist an den bisherigen fünf Opernaufführungen in Sachen Bühnenbild eigentlich schon alles gemacht worden“, sagt Barbara Brüesch „Wir wollten etwas anderes, etwas, mit dem mehr Dynamik ins Spiel gebracht werden kann.“ So kamen der Innerschweizer Bühnenbildner und Ausstatter Damian Hitz und die Regisseurin – die beiden sind dank zahlreicher früher Theaterproduktionen ein eingespieltes Team - auf die Idee der wie ein Laufsteg rund um den Brunnen im Innenhof angelegten Bühne. „Das ermöglicht viel Bewegungsraum für die Sängerinnen und Sänger“, so Barbara Brüesch, „und durch die aussergewöhnliche Konstruktion werden auch besondere Effekte möglich sein“.  Für die Verantwortlichen der Schlossoper habe es jedoch eine Reihe von Besprechungen und intensive Verhandlungen gekostet, bis es für diesen einmaligen Bühnenentwurf die Gewissheit einer Realisierung gegeben habe, gesteht die Präsidentin der Kammerphilharmonie Graubünden.

 

Doppelte Schweiss-Arbeit

Aussergewöhnlich an der Bühne ist nicht nur die Anordnung sondern auch die komplett in Stahl gebaute Konstruktion. Bühnenbildner Damian Hitz hat das Modell dem in Chur ansässigen Stahlkonstrukteur Tinu Bieri übergeben, der die fünf Tonnen schwere Bühne im Zeitraum von sechs Wochen gebaut hat. Auf dem Areal der Firma Weber in Chur wurden die verschiedenen Elemente zusammengeschweisst. Die geforderte Stabilität erreichte der Metallbauspezialist durch zusätzlich angebrachte Verstrebungen und Verstärkungen auf dem Montageplatz. Zum Vornherein sei klar gewesen, so Tinu Bieri, dass die Bühne nicht via Strasse sondern per Helikopter nach Haldenstein gebracht würde. „Die Tore in den Schlosshof wären zu eng gewesen und der Lastwagentransport zu umständlich“. Also zerlegte Bieri die Bühne mit der Trennscheibe auf dem Weber-Areal wieder in fünf Teile. Eines nach dem andern wurde am 20. und 21. Juni mit dem Helikopter rund um den Brunnen im Schlosshof niedergelegt. Ein schweisstreibender Kraftakt nicht nur was die Muskeln anbetrifft. „Bis alle Teile hier waren, hat es schon einiges an Nerven gebraucht“, gesteht Bieri. Ihm und Damian Hitz steht die Erleichterung danach ins Gesicht geschrieben, dank perfekter Platzierung durch das Heli-Team und der Passgenauigkeit der einzelnen Elemente.

 

Musik aus der Bühnenmitte

Längst haben Tinu Bieri und Damian Hitz im Schlosshof die Bühnenelemente wieder zusammengeschweisst, die Konstruktion „ins Lot“ gebracht und die Abschlussarbeiten vorgenommen. Längst auch hat die „Möbelwerkstatt Viamala“ die Publikumstribünen erstellt und die Holzarbeiten rund um die Stahlbühne abgeschlossen – und im Oval des Bühneninnerns den Boden für das Orchester bereitet. Die 33-köpfige Kammerphilharmonie Graubünden – darunter 15 „astreine Bündner“ – unter der Leitung ihres Dirigenten Sebastian Tewinkel wird von diesem zentralen Punkt aus Verdis Musik zu „La Traviata“ spielen und die Sängerinnen und Sänger aus Deutschland Italien, Russland, Schweiz, Slowenien, Südkorea und Ungarn  begleiten.

Die Präsidentin der Kammerphilharmonie Graubünden ist überzeugt, „dass im August mit Verdis „La Traviata“ dank dem aussergewöhnlichen Bühnenbild, der hervorragenden Besetzung und der starken Prägung durch Bündner Kunstschaffende dem Publikum eine ganz besondere Opernproduktion präsentiert wird.“

 
  Reportage-Auftaktseite.    
     
     
     
     
     
     
     
       

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