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Grabenstrasse 34 │ CH-7000 Chur │ Tel. 081 250 34 31 │ Mob. 079 310 75 37 |
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Reportage: "Terra Grischuna" (September 2010) "Je älter ich werde, umso mehr hab ich den Plausch an der Natur" |
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Alp Anarosa, Lai da Vons, Muttner Höhe oder der Partnun See gehören zu den favorisierten Ausflugszielen des kunstschaffenden Robert Indermaur. Und weil er so nahe von seinem Zuhause liegt, umwandert er mindeste einmal im Jahr auch den „Hoch Büel“, sozusagen ein Vorposten des Piz Beverin.
© Text und Bilder Walter Schmid
„Diese Narbe, die aussieht wie das Muttermal auf Gorbatschows Stirn, hat im letzten Winter ein Bergsturz hinterlassen“. Robert Indermaur ist auf dem Wanderweg oberhalb von Usser Glas stehen geblieben und zeigt mit gestrecktem Arm hinunter nach Almens, seine Wohngemeinde auf der gegenüberliegenden Talseite des Domleschg. Rund sechs Hektar gross ist die Flanke, die mit Getöse abgerutscht sei und Bäume, Wurzen und Geröll im Tobel oberhalb ihres Hauses deponiert habe. „Angekündet hat den Bergsturz schon Tage davor das Rumpeln von herunterkollernden Steinen – wie die da vor uns“, sagt Indermaur. Vor uns steht der Beverin dessen zerklüftete Nordwand immer wieder Steine und Geröll der Schwerkraft überlässt, deren „Talfahrten“ hinunter in die Nolla als fernes Poltern wahrzunehmen sind.
„Viele wissen gar nicht, dass ich auch male“ Wir sind auf dem Weg um den „Hoch Büel“, der in zwei Stunden vom Glaspass aus gemütlich zu umwandern ist. 360 Höhenmeter sind dabei zu überwinden. Er und seine Frau Barbara seien eigentlich keine klassischen Bergwanderer, erzählt Robert Indermaur während des Aufstiegs. „Aber der Hoch Büel gehört seit Jahren zu unserem fixen Wanderprogramm wie auch die Muttner Höhe oder St. Antönien“. Hier hat Robert Indermaur vor langer Zeit einen kurzen Einsatz als Dorf-Primarlehrer geleistet. Diesen Sommer ist er mit zwei Skulpturen für das Kunst- und Kulturprojekt „Heinzensommer 2010“ in die Prättigauer Walsersiedlung zurückgekehrt. Kunst im öffentlichen Raum sei ein wichtiger Aspekt seiner Arbeit und werde ganz anders wahrgenommen als Bilder, erzählt Indermaur beim Weitergehen. „Es ist nicht gerade eine Vergewaltigung der Zuschauer, aber wenn jemand an einer Skulptur vorbei geht, muss er sie zwangsläufig anschauen.“ Und beachtet werden sie, sei es beispielsweise jene Figurengruppe in Chur an der Bahnhofstrasse (gegenüber Manor), der Rollstuhlfahrer auf dem Theaterplatz oder seine Werke an der Skulpturenausstellung „ragARTz“, wo Indermaur bereits viermal präsent war. Die Resonanz sei sehr gross und es kämen deswegen immer wieder Leute zu ihm ins Atelier, die gar nicht wüssten, dass er auch male.
„Dass ich Maler werde, war längst klar“ Wo die Wanderung den höchsten Punkt auf 2106 M ü M. erreicht, gönnen wir uns eine Pause. Über dem seichten Hochmoor demonstrieren Dutzende von Libellen ihre hektischen Flugkapriolen, während Indermaur von den Ursprüngen seiner Malerei erzählt. Bereits in der Sekundarschulzeit habe er gezeichnet und gemalt. Und als er während seiner Ausbildung am Lehrerseminar Bilder ausgestellt habe, sei für ihn längst klar gewesen, dass er Maler werde. Heute gehört Robert Indermaur mit seinen unverkennbaren Figuren-Bildern und -Skulpturen zu den international bekanntesten Künstlern der Schweiz. „Mit meiner Arbeit versuche ich, menschlichen Zielen und Absichten nachzuspüren“, erzählt Robert Indermaur. „Ich versuche uralten Fragen auf den Grund zu gehen, und will der Welt, wie wir sie kennen, nachdenklich, neugierig und spielerisch meine eigene, friedlichere Welt entgegenstellen.“ Er versuche, geistige Räume zu schaffen, in denen die Hoffnung lebe, „dass wir eine Zukunft haben und dass wir im Stande sind, diese positiv zu gestalten“.
„Der Betrachter soll es wagen zu träumen“ Seit etwa einem Jahr ist Indermaur daran, das Thema „Traum“ malerisch umzusetzen. Und damit ist auch seine Lust auf mehr Farbe und grosse Leichtigkeit in den Bildern gestiegen. In der Verschmelzung von Traum und Realität spielen seine unverkennbaren Figuren eine wichtige Rolle, „denn sie sind es, die träumen und mit deren Träumen ich zum Phantasieren anregen möchte.“ Er wolle damit dem Alltag etwas dazu geben, so dass der Betrachter den Schritt wage auch zu träumen. „Wenn jemand das nicht tut, verbietet er es sich selbst“, sagt Indermaur. Aus der Höhe ertönen Stimmen, die kurz darauf von aufgeregten Munggen-Pfiffen beantwortet werden. Zwei Bergänger auf dem Rückweg vom Piz Beverin sind weit oben, wo die letzten Alpenrosen dieses Jahres noch rot schimmern, auszumachen. Andere Farben wecken die Aufmerksamkeit des Malers. Er kauert nieder zu einem handgrossen Flecken hochalpiner Flora: „Je älter ich werde, umso mehr hab ich den Plausch an der Natur, vor allem oberhalb der Waldgrenze“, und schwärmt über die Farbenvielfalt, die feinen Abstufungen der Töne und die verschiedenen Intensitäten dieser kleinen Pflanzenansammlung. „Das ist perfekt arrangiert, so als würde jeden Morgen ein Gärtner alles von Neuem büscheln.“ Auf unserem Weg hinunter Richung Glaspass wird der Blick frei ins wild-romantische Carnusatal mit dem Bruschghorn im Hintergrund und ins Safiental mit den bis weit nach oben bewirtschafteten Hängen der Camaner und Hofner Alp. Robert Indermaur blickt voraus und erzählt, das er plane, nach „People`s Park“ und „Departure“, eine dritte Publikation über sein Schaffen während der letzten zehn Jahre zu produzieren, in der dann auch die Kunst im öffentlichen Raum Einlass fände. Einlass gewährt Robert Indermaur nach der Rückkehr von der „Hoch Büel“-Umrundung am späteren Nachmittag noch gegen 40 Besucherinnen und Besuchern in sein Atelier. Ihnen erzählt er auch, dass er vor 30 Jahren von Acryl- auf Ölfarben umgestellt habe, dass ihm Landschaftsbilder von Segantini, Giacometti und Hodler gefallen und dass er eine schriftstellerische Ader für „Allotriageschichten“, Gedichtlein und Verse habe. Unten, in Usser Glas angekommen, gibt er einen zur Wanderung passenden zum Besten: „Aus jeder Alpenfalte quillt der Schweiss, der kalte“.
INFO
Robert Indermaur Robert Indermaur, geboren am 9. Juni 1947 in Chur, besuchte die Schule in Chur bis zum Abschluss am Bündner Lehrerseminar im Jahr 1967. In den folgenden Jahren reiste er mit Freunden durch Europa, Asien und Afrika, unterrichtete zwischendurch als Primarlehrer in St. Antönien, Passugg, Domat/Ems und Chur. Mit seiner zukünftigen Frau und ein paar Freunden gründete er 1974 in Chur das erste Kleintheater (Klibühni Schnidrzunft) in Graubünden, welches von ihnen während zehn Jahren geleitete und begleitet wurde. Seit 1975 ist er verheiratet mit Barbara, lebte und arbeitete bis 1983 in den Räumlichkeiten der Klibühni an der Kirchgasse in Chur. Die Familie mit den drei Kindern Rebecca, Alexander und Adrian, verbrachte 1989/90 ein Jahr in Kalifornien/USA. Ansonsten leben die Indermaurs seit 1983 in Almens/GR, wo Robert Indermaur arbeitet. Seit 2004 wirkt er auch in seinem zweiten Atelier im Nachbardorf Paspels. |
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