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Kurzreportage: "kultchur" (Winter 2010)

 

Subkulturen im Untergrund

 
         
   

Im Churer Untergrund liegen für die Stadt und die Bevölkerung lebenswichtige Infrastrukturen. Daneben gibt’s «Untergeschosse», die Sicherheit bieten, nützlich und bequem sind und solche, die zu Gerüchten Anlass geben. Zwei Subkulturen.

© Text und Bilder Walter Schmid/ws-press

Im Gegensatz zur Untergrund-Fussgängerpassage unter dem Postplatz hindurch, um den darüber verkehrenden Autos flüssiger abwickeln zu können, wurde ein anderes Projekt beim Postplatz in den 1970ern realisiert. Seither verbindet nämlich ein Tunnel den GKB-Gebäudetrakt an der Gäuggeli-/ Engadinstrasse mit dem Hauptsitz am Postplatz. «Ein weiser Entschluss», erklärt der heutige GKB-Sicherheitsbeauftragte. Denn die elf Meter unter Tag liegende 2 Meter breite und 3 Meter hohe Verbindung, die in klassischer bergmännischer Stollenbauart vorgetrieben wurde, kann man mit einer Ameisenstrasse zwischen zwei Ameisenhügeln vergleichen. Er ist Transportweg zwischen den beiden Banken, der ganzjährig hemdsärmelig und bequem begangen oder mit Zweirädern befahren wird. Hier verläuft auch die Energieversorgung und in einem Kanal liegen sämtliche Kommunikationskabel. Vom Tunnel aus besteht ein direkter Zugang zur Post 2, wo in einer «Freihandelszone» die Geschäfte zwischen Bank und Post abgewickelt werden. Natürlich ist der unterirdische Gang ausschliesslich für das Bankpersonal zugänglich. Das wäre möglicherweise anders, wenn ein Zusatzprojekt in die Tat umgesetzt worden wäre: Vor rund 30 Jahren wurde die Idee diskutiert, den Stollen bis zum Bahnhof zu verlängern und dadurch eine Untertagverbindung zwischen Bank am Postplatz und der Post 1 zu erstellen.

 

Archiv im Untergrund
Dass vom Regierungsgebäude ein unterirdischer Fluchtstollen zu den nahe gelegenen Schutzräumen unter dem Staatsarchiv führe, ist ein Gerücht. Denn die Bündner Regierung würde im Katastrophen- und Kriegsfall nicht im Untergrund von Chur weiter regieren, so die Auskunft vom Amt für Zivilschutz und Katastrophenhilfe Graubünden. Die Regierung fände in Extremsituationen zwar schon Zuflucht tief unter der Erdoberfläche. Mehr lässt man sich nicht entlocken, ausser, dass diese «Katakomben» ausserhalb von Chur lägen. In den Schutzräumen des Staatsarchivs hat es eh kein Platz mehr dafür. Mann stosse bereits an Kapazitätsgrenzen, sagt Silvio Margadant, Leiter des Staatsarchivs.
Dieses dient der Sicherstellung, Aufbewahrung  und Erschliessung des Schriftgutes zur Geschichte Graubündens sowie aller für die Wahrung der Rechte und Interessen des Kantons wesentlichen Verwaltungsakten. Auf Anfrage führt Silvio Margadant Gruppen in die Archive, wo das „Gedächtnis Graubündens“ aufbewahrt wird, rund zehn Meter unter der Erde – Subkulturen eben.

 
     
       

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