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ws. In den Auen bei Rhäzüns darf sich der Hinterrhein auf einer
Strecke von rund 4 Kilometern noch austoben wie es ihm beliebt.
Er nimm sich Land wo und wann er will, schüttet Geröll-, Kies-
und Sandinseln auf, um sie wieder
wegzuschwemmen, er entwurzelt Bäume, schält, zerstückelt und zerzaust sie im
Flussbett und setzt sie der bleichenden Sonne aus, bis er sie
wieder abholt. Der Fantasie und dem Spieldrang des Rheins sind
keine Grenzen gesetzt.
Alles ist dauernd im Wandel – in den Rhäzünser
Rheinauen, die im Inventar
der "Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung"
aufgeführt sind und zu den intaktesten Auenlandschaften
hierzulande zählen.
Beinahe zerstört
1960 definierte die Schweiz ihr Nationalstrassennetz; Teil davon
war auch die San-Bernardino-Route, die heutige A13. Vier Jahre
darauf präsentierte die Bündner Regierung ihr Projekt einer
vierspurigen Autobahn; diese sollte die Au zwischen Rhäzüns und
Rothenbrunnen, mit dem verzweigten
Flusslauf des Hinterrheins offen durchqueren. Grosse Teile der
Bevölkerung waren dagegen; die Talschaftsplanung Heinzenberg
Domleschg und Umweltorganisationen bauten eine starke Opposition
auf und lehnten den projektierten Bau ab. Es ging um die
Kontroverse zwischen einer möglichst billigen Lösung und der
Schonung der Landschaft durch eine Tunnelumfahrung.
Erst als die
Bundesräte Hans Hürlimann und Kurt Furgler 1974 einen
Augenschein vor Ort nahmen, kam es zu einer Lösung: Die
Regierung liess die offene Linienführung endlich fallen, die
Opponenten verzichteten auf eine Verbandsbeschwerde und die
einzigartige Auenlandschaft konnte weitgehend erhalten werden.
Heute gehört sie zu den wertvollsten Resten naturnaher
Flussabschnitte in der Schweiz. |